Eine intensive und spannende Turnierwoche ist heute in Rosenheim zu Ende gegangen. Im Gasthof Höhensteiger wurden die Bayerische Einzelmeisterschaft (BEM) der allgemeinen Klasse und die Bayerische Frauen-Einzelmeisterschaft (BFEM) parallel ausgetragen. In beiden Wettbewerben standen nach neun Runden die neuen Bayerischen Meister fest: Zarko Vuckovic und Lina Kastl.

In der allgemeinen Klasse gingen 30 Spielerinnen und Spieler an den Start und schon frĂĽh zeichneten sich die Favoriten ab.
Als Nummer eins der Setzliste war Zarko Vuckovic (SF Augsburg) mit klaren Ambitionen nach Rosenheim gekommen. Der Deutsche Vizemeister im Blitzschach wurde seiner Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht und setzte sich von Beginn an an die Spitze des Feldes. Über die gesamte Turnierdistanz blieb er ungeschlagen und sammelte 7,5 Punkte aus neun Partien.

Nur dreimal musste sich Zarko mit einer Punkteteilung begnügen. In der dritten Runde gab es kurzzeitig einen Führungswechsel: FM Thomas Lentrodt zog aufgrund der besseren Wertung punktgleich an ihm vorbei und durfte für eine Runde den Platz an der Sonne genießen. Danach übernahm Zarko wieder das Kommando – und gab die Führung bis zum Schluss nicht mehr ab.
Mit 7,0 Punkten sicherte sich Tugrul Türel von den SF München die Silbermedaille. Der frisch gebackene Deutsche Amateurmeister der Gruppe A spielte ebenfalls ein starkes Turnier. Er musste lediglich zwei Remis hinnehmen, verlor allerdings einmal – gegen den neuen Bayerischen Meister.
Damit steht auch fest, wer den Bayerischen Landesverband beim Schachgipfel 2027 im DEM-Kandidatenturnier vertreten darf: Zarko Vuckovic und Tugrul TĂĽrel. Eigentlich! Tugrul ist allerdings schon ĂĽber seinen DSAM-Titel qualifiziert, was uns zum Bronzemedaillen-Gewinner als NachrĂĽcker fĂĽhrt…
Auf dem dritten Platz landete Viktor Ratushnyi vom SC SW Nürnberg-Süd. Der amtierende Bayerische Pokalsieger blieb während des gesamten Turniers ungeschlagen und brachte es auf 6,5 Punkte. Allerdings musste er sich fünfmal mit Remis zufriedengeben. Besonders bemerkenswert: Mit einem Elo-Zuwachs von 99 Punkten machte Viktor einen Riesensprung in der Wertungszahl.

Die weiteren Preisgeldplätze bis Rang sieben belegten Florian Fuchs (DJK SF Haselbach), IM Alexander Belezky (FC Bayern München), Tobias Ammon (SV Altensittenbach) und FM Yaroslav Demchenko (SC Bamberg).
FĂĽnf Damen mischten die allgemeine Klasse auf
Für ein besonderes Novum sorgte die hohe weibliche Beteiligung in der allgemeinen Klasse. Gleich fünf der 30 Teilnehmer der BEM waren Damen – und sie wussten sich gegen die starke männliche Konkurrenz zu behaupten.
Besonders erfolgreich waren Steffi Arnhold und Jana Bardorz, die Bayerische Meisterin des Vorjahres. Beide spielten ein hervorragendes Turnier und schafften den Sprung in die Top 10, die laut Ausschreibung für die BEM 2027 vorqualifiziert sind.
Auf einen Blick das heutige Ergebnis:

Das offizielle Endergebnis:

Sensation im Frauenturnier: Lina Kastl mit perfekter Bilanz
Nachdem in diesem Jahr so viele spielstarke Frauen in der allgemeinen Klasse antraten, war die Bayerische Frauen-Einzelmeisterschaft (BFEM) etwas dünner besetzt als im Vorjahr. Zwölf Spielerinnen gingen in Rosenheim an den Start, nachdem 2025 noch 16 Teilnehmerinnen um den Titel gekämpft hatten. Erfreulich war dabei der hohe Anteil an Nachwuchsspielerinnen: die Hälfte des Feldes war U20 oder jünger.

Was anschließend geschah, hatte niemand auf der Rechnung: Lina Kastl dominierte das Turnier in einer beeindruckenden Art und Weise. Die nur auf Startrang vier gesetzte Spielerin ließ der Konkurrenz keine Chance und gewann alle neun Partien. 9,0 Punkte aus neun Runden – eine perfekte Ausbeute.

Eine solche Leistung hatte es bei einer BFEM nach Einschätzung des Ausrichterteams zumindest in der jüngeren Vergangenheit noch nicht gegeben. Dabei waren es keineswegs nur glatte Siege, mit denen Lina durch das Turnier marschierte. Gerade in den Partien, in denen nicht alles nach Plan lief, zeigte sie Klasse. Sie gab einfach nicht auf, hielt die Spannung aufrecht, stellte ihre Gegnerinnen immer wieder vor neue Probleme und ließ sie selbst materiell gewonnene Stellungen nicht einfach bequem herunterspielen. Und bei der geringsten Unachtsamkeit war sie sofort zur Stelle, um die Partie zu drehen – wie mindestens zweimal erfolgreich geschehen.
Das Ergebnis war eine Elo-Performance von unglaublichen 2581 Punkten.
Mit zwei Punkten Respektabstand auf die neue Titelträgerin folgt Berrak Albayrak. Die Nummer eins der Setzliste und Spielerin des SC Noris-Tarrasch Nürnberg in der 2. Frauenbundesliga sicherte sich mit 7,0 Punkten die Bayerische Vizemeisterschaft.
Für Berrak und Lina geht es damit gemeinsam weiter zum Schachgipfel 2027: Beide lösten das Ticket für das DFEM-Kandidatinnenturnier.

Den dritten Platz erkämpfte Olha Ratushna vom SC SW Nürnberg-Süd. Die U14-Spielerin setzte damit ein starkes Ausrufezeichen und komplettierte das Podium. Das vierte und damit letzte Preisgeld bei den Damen ging an Christiane Köberl, die Bayerische Vizemeisterin 2023 vom SK Klingenberg.
Alle Ergebnisse der letzten Runde auf einen Blick:

Und das offizielle Endergebnis bei den Damen.

Weitere Fotos aus dem Turniersaal sind hier zu finden. Die Partien können auf Lichess nachvollzogen werden. Alle weiteren Partien (via PGN) sowie die Runden und Zwischenstände sind auf Chess-Results zu finden.
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