In Braunfels (Hessen) fand am verlängerten Fronleichnam-Wochenende traditionell die Deutsche Frauen-Mannschaftsmeisterschaft der Landesverbände (DFMM-LV) statt. Unterhalb des malerisch gelegenen Schlosses im Europasaal im “Haus des Gastes” trafen 2026 insgesamt zwölf Auswahlteams der Landesverbände aufeinander – etwas weniger als in den Vorjahren.

Wie bereits in einem ausführlichen Vorbericht präsentiert, gingen für Bayern Steffi Arnhold (SC Bavaria Regensburg) und WFM Marianna Grineva (SC Bad Königshofen) an den Spitzenbrettern an den Start.
Dahinter kamen Berrak Albayrak (SC Noris-Tarrasch Nürnberg), Margarethe Wagner (SC Bamberg), Neşe Pinar Albayrak (SC Noris-Tarrasch Nürnberg), WIM Larisa Kalinina (SC Bad Königshofen), Elisabeth Reich (ATSV Oberkotzau), Lina Kastl (DT Münnerstadt) und U16-Spielerin Valentina Neumeier (SK Kelheim) zum Einsatz. Die neun Akteure wechselten sich an den acht Brettern ab. Komplettiert wurde das Team von BSB-Frauenreferentin Aylin Albayrak (SC Noris-Tarrasch Nürnberg), die als Edelreservistin bereitstand.
Bei der DFMM-LV 2025 hatte das bayerische Team für eine riesige Überraschung gesorgt: Als Außenseiterinnen nur von Setzplatz acht gestartet, stürmte der Bayern-Achter zur Deutschen Vizemeisterschaft und verpasste den Titel lediglich aufgrund der Zweitwertung. Teamchefin Aylin Albayrak hatte damals bewusst einigen Nachwuchstalenten eine Chance gegeben, die sich zuvor bereits in Bayern II bewährt hatten, und dabei den ungünstigen Startplatz in Kauf genommen. Das Vertrauen zahlte sich aus: Gleich mehrere Spielerinnen blieben ungeschlagen oder gewannen ihre Brettwertung.
So stark wie 2024, als zwei Nationalspielerinnen im Aufgebot des Freistaats standen, war die Mannschaft 2026 nominell zwar nicht, aber dennoch 80 DWZ stärker als im Vorjahr. Von Startplatz drei aus durfte sich Bayern dennoch berechtigte Hoffnungen machen vorne mitzumischen. „Wir wissen ja schon: Je niedriger wir eingestuft werden, desto höher werden wir abschneiden“, meinte Aylin mit einem Augenzwinkern. „Wieder mal Zeit, mit Freude über den eigenen Schatten zu springen.“

Und tatsächlich legten die Bayerinnen los wie die Feuerwehr. Gegen Vorjahreschampion Württemberg gelang ein furioser Auftakt. Zwar traf Bayern zunächst auf ein Team aus der unteren Hälfte der Setzliste, doch da WIM Larisa Kalinina pausierte und die Mannschaft nicht in Bestbesetzung antrat, war der nominelle Vorteil deutlich geringer, als es die Setzliste suggeriert. Umso bemerkenswerter war der klare 6,5:1,5-Erfolg.

In Runde zwei gegen Baden legten die Spielerinnen direkt einen weiteren Sieg nach. In der dritten Runde erkämpfte sich Bayern ein 4:4 gegen den direkten Konkurrenten Hessen. Ein starkes Ergebnis, das sich dennoch etwas unglücklich anfühlte, da einige aussichtsreiche Stellungen am Ende nicht verwertet werden konnten.

Trotzdem befand sich Bayern nach drei Runden plötzlich mitten im Titelkampf. So kam es in Runde vier zum Showdown gegen den Setzlistenersten Sachsen-Anhalt, das für 2026 mit zwei WGMs aufmunitioniert hatte. Vermutlich fehlte am Ende das nötige Quäntchen Leichtigkeit – jetzt bloß keinen Fehler machen! Über einige Stunden hielten die Bayern gut mit, standen auf dem ein oder anderen Brett sogar auf Gewinn. Doch dann kippte eine Partie weg und wohl im Unterbewusstsein, es jetzt herumreißen zu müssen, gab es einen regelrechten Dominoeffekt an allen (!) Brettern. Am Ende stand eine bittere 0,5:7,5-Niederlage zu Buche, die in der Höhe weder die Spielstärke, noch die Partieverläufe widerspiegelt. Andererseits bewahrte Sachsen-Anhalt die Ruhe und brachte den Sieg souverän ins Ziel.

In der Schlussrunde wartete Thüringen. Bayern wirkte wieder befreit und knüpfte an die starken Leistungen der ersten Runden an. Mit einem überzeugenden 6:2-Erfolg setzten sie ein weiteres Ausrufezeichen. Theoretisch wäre sogar noch die Vizemeisterschaft möglich gewesen, allerdings nicht mehr aus eigener Kraft. Dafür hätte NRW gegen Hessen verlieren müssen, doch dazu kam es nicht.

So sicherte sich Sachsen-Anhalt mit deutlichem Vorsprung den Titel – herzlichen Glückwunsch dazu! Auf den weiteren Plätzen folgten punktgleich NRW und Bayern, das sich über die Bronzemedaille freuen durfte. Bemerkenswert dabei: Die ersten vier Teams der Setzliste belegten am Ende auch die ersten vier Plätze – ganz anders als noch im Vorjahr.

Auch individuell gab es aus bayerischer Sicht einige Highlights. WFM Marianna Grineva spielte an Brett zwei rund 150 Elo-Punkte über ihrer nominellen Spielstärke.

Mit WIM Larisa Kalinina und Valentina Neumeier blieben zudem zwei Bayern ungeschlagen. Beide gewannen ihre Brettwertungen sowohl nach Prozentpunkten als auch nach Elo-Performance. Steffi Arnhold bezwang am Spitzenbrett im Turnierverlauf zwei WFMs, während Berrak Albayrak zwei Titelträgerinnen einen Sieg und ein Remis abtrotzte.
Unter dem Strich darf der Auftritt in Braunfels einmal mehr als sportlicher Erfolg für Bayern gewertet werden.

Doch Braunfels ist traditionell weit mehr als nur ein Wettkampf. Die DFMM-LV ist auch ein gesellschaftliches Ereignis. Die Teams unternehmen gemeinsame Ausflüge, wachsen als Mannschaften zusammen und haben bei einem gemeinsamen Abend Gelegenheit, sich auch über Landesverbandsgrenzen hinweg auszutauschen.

Zum Abschluss bedankte sich Teamchefin Aylin Albayrak beim ausrichtenden SF Braunfels sowie bei Turnierleiterin ISR Nadja Jussupow für die gelungene Organisation und den reibungslosen Turnierverlauf und die bayerischen Spielerinnen machten sich auf den 200 bis 450 km weiten Nachhauseweg – und freuten sich schon jetzt auf die DFMM-LV 2027.

Links: DFMM-LV 2026 beim DSB / Ausschreibung / Schachfreunde Braunfels / Live-Übertragung auf Lichess / Chess-Results / Abschlussbericht beim DSB








