Bayerischer Schachbund e.V.

Offener Brief von Peter Eberl und Jörg Wengler zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs im BSB.

Liebe Schachfreude,

wohl kaum eine Frage beschäftigt unsere Gesellschaft dieser Tage mehr als die Frage: Wie geht es weiter? Eine Frage, der wir uns im Lichte der Corona-Pandemie in allen Lebensbereichen auseinandersetzen müssen, natürlich auch im Sport und natürlich auch im Schach.

Seit Mitte März das plötzliche „Stopp“ auch für alle Veranstaltungen des Bayerischen Schachbundes kam, war es das permanente Bemühen aller Verantwortlichen im BSB und seiner Bezirksverbände, Möglichkeiten zu erschließen, den Schachsport auch unter den Bedingungen der Pandemie am Leben zu erhalten. Ein Bestreben, das der BSB selbstredend mit den mehr als 50 Sportfachverbänden im Bayerischen Landessportbund gemein hat. Für den BSB ist die Frage danach, wie es weitergehen soll, dabei gleichbedeutend mit der Frage: Was ist das Beste für die Schachfreunde und Schachvereine in Bayern?

Eine Frage, die der BSB mit seinen Bezirksverbänden und Mitgliedsvereinen und die Bezirksverbände ihrerseits mit den Vereinen in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet „rauf und runter" diskutiert haben. Und dies natürlich nicht mit dem Anspruch, eine Lösung zu finden, die uns allen genauso gut gefällt, wie das, was wir vor der Corona-Pandemie hatten. Eine solche Lösung gibt es nicht. Ziel war es vielmehr, auf die veränderten Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren und den Schachsport in Bayern organisatorisch so aufzustellen, dass er auch unter den aktuellen Bedingungen eine Zukunft hat. Grundlegend bedeutet das, dafür zu sorgen, dass Schach wieder stattfinden kann. Zweifelsohne spielt der Infektionsschutz bei allen Überlegungen derzeit die absolut wichtigste Rolle. Genau deshalb hat der BSB als erste zukunftsorientierte Maßnahme eine Corona-Arbeitsgruppe eingerichtet, die Schutz- und Hygienekonzepte für den Trainingsbetrieb sowie für den Wettkampfbetrieb im Schach erarbeitet hat. Erst als auch das Konzept für den Wettkampfbetrieb am 22.07.2020 vorlag, hat der BSB über die Wiederaufnahme des Wettkampfbetriebs entschieden.

Was waren die Alternativen? Gleich wieder Vollgas geben und den behördlich vorgegeben Rahmen bis zum letzten ausschöpfen? Das wäre sicher nicht richtig gewesen und hätte auch nicht dem Vorsichtsprinzip entsprochen, dem wir zu Zeiten der Pandemie natürlich mit Blick auf die Gesundheit aller Schachfreunde besonders verpflichtet sind. Oder vielleicht  der komplette, selbst auferlegte Stillstand bis irgendwann die Pandemie vollständig überstanden ist? Auch dies ist sicher kein Weg, den man einschlagen sollte, wenn man nicht weiß, wie lange man denn wohl warten muss. Der vernünftigste Ansatz ist sicher ein Mittelweg zwischen diesen beiden Extremen. Ein Mittelweg, der bedeutet, sich ganz allmählich wieder an einen Spielbetrieb am Brett heranzutasten und zunächst diejenigen Wettbewerbe wieder aufzunehmen, die sich unter den strengen Maßgaben des Schutz- und Hygienekonzepts am ehesten wieder organisieren lassen. Den Anfang hat gerade die Bayerische Einzelmeisterschaft gemacht, die erfolgreich über die Bühne gegangen ist und einen ersten Beweis geliefert hat, dass Turnierschach auch unter Corona-Bedingungen durchaus stattfinden kann.

Als nächstes steht nun an den kommenden beiden Wochenenden der Abschluss der Bayerischen Mannschaftsmeisterschaften auf dem Programm. Auch hierüber wurde ja viel diskutiert. Als die Entscheidung für die Saisonfortsetzung am 22.07.2020 gefallen ist, war es die ganz klare Intention des BSB, hier eine von den übergeordneten Ligen unabhängige Entscheidung zu treffen, die sich ausschließlich an der Situation in Bayern orientiert und unabhängig davon Bestand hat, wie der Schachbundesliga e.V. und der DSB über den Fortgang der 1. und 2. Bundesliga entscheiden werden. Angesichts der völlig unterschiedlichen Problemlage in den Bundesligen (hier geht es nicht zuletzt um gravierende finanzielle Probleme und die Beschränkungen im internationalen Reiseverkehr), wäre eine „automatische Kettenreaktion“ über die Landesverbände bis hinunter auf die lokalen Ebenen in den Bezirken und Kreisen auch alles andere als folgerichtig. Natürlich muss eine Lösung für die Frage des Aufstiegs von der Oberliga in die 2. Bundesliga gefunden werden. Dieser Frage aber aus dem Weg zu gehen und dafür eine gesamte Saison zu opfern, erscheint doch mehr als unverhältnismäßig.

Ungeachtet dessen, wird es natürlich nach Abschluss der laufenden Saison weitere Überlegungen geben, wir es konkret weitergehen wird. Auch der BSB hat keine Glaskugel, in die er schauen könnte, um den weiteren Verlauf der Pandemie vorherzusehen. Deshalb ist ein kurzfristiger Entscheidungshorizont das Gebot der Stunde. Und hierbei sind selbstverständlich auch alle Vereine dazu angehalten, sich mit ihren ersten Erfahrungen im Spielbetrieb unter Corona-Bedingungen in die Diskussion einzubringen.

Ja, liebe Schachfreunde, was ist nun „das Beste“ für die Sie und Ihre Vereine in Bayern? Abschließend werden wir das erst einigen Jahren mit letzter Sicherheit wissen. Aber wir haben eben auch jetzt schon die Aufgabe, die Zukunft des Bayerischen Schachs zu gestalten und hoffen, dass der eingeschlagene Weg einer möglichst breiten Schachöffentlichkeit in Bayern gerecht wird.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen und Ihren Vereinen gutes Gelingen beim Wiedereinstieg in den Spielbetrieb und viel Erfolg in den letzten beiden Runden in Oberliga, Landesliga und Regionalliga.

Freundliche Grüße!

Peter Eberl
Präsident
Bayerischer Schachbund e.V.

Jörg Wengler
BSB Corona-Arbeitsgrup




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