Bayerischer Schachbund e.V.

Verbandsgericht: Wertung des Wettkampfes in der Regionalliga Süd-Ost vom 25.11.2018 SK Passau 2 – SK Ingolstadt 1

Bayerischer Schachbund e.V.

- Verbandsgericht -

 

In der Streitsache

Schachklub Ingolstadt e.V.                                  - Beschwerdeführer -

vertreten durch den 1. Vorsitzenden Dr. Christophe Andreoli

gegen

Bayerischer Schachbund e.V.                            - Beschwerdegegner -

beteiligt:

1. Passauer Schachklub 1869 e.V.

vertreten durch den 1. Vorsitzenden Josef Zboril

2. Schachfreund Dr. Andreas Götz (SK Ingolstadt)

3. Schachfreund Franz Schmid (SK Passau)

4. Bundesrechtsberater Ralph Alt

wegen Wertung des Wettkampfes in der Regionalliga Süd-Ost vom 25.11.2018 SK Passau 2 – SK Ingolstadt 1

erlässt das Verbandsgericht des Bayerischen Schachbundes in der Besetzung Christoph Eichler als Vorsitzender (München), Thomas Trapp als Beisitzer (Jurist, Unterfranken) und Stephan Stöckl als Beisitzer (Schiedsrichter, Oberpfalz)

ohne mündliche Verhandlung am 14. April 2019 folgende

 

Einstweilige Anordnung:

I. Die Entscheidung des 1. Bundesspielleiters vom 02.04.2019 wird bis auf Weiteres wie folgt abgeändert: die in Ziffer 1.2. festgesetzte Frist zur Wiederholung der Partie an Brett 6 zwischen den Spielern Franz Schmid und Dr. Andreas Goetz wird vom 21.04.2019 auf den 16.06.2019 verschoben.

II. Im Übrigen bliebt die Entscheidung des 1. Bundesspielleiters bis auf Weiteres bestehen.

 

Gründe:

I. Sachverhalt

Der Wettkampf in der Regionalliga Süd-Ost zwischen SK Passau 2 und SK Ingolstadt 1 vom 25.11.2018 endete laut Spielbericht wie folgt:

 

 SK Passau 2

-

 SK Ingolstadt 1

4½ - 3½

1

Offinger, Robert

-

Geberl, Hans Walter

+ - -

2

Linhart, Wolfgang

-

Reilein, Christian

½ - ½

3

Zauner, Christoph

-

Schims, Mike

0 - 1

4

Kaiser, Richard

-

Senftleben, Oliver, Dr.

1 - 0

5

Lang, Josef

-

Ebenhöch, Daniel

½ - ½

6

Schmid, Franz

-

Goetz, Andreas, Dr.

1 - 0

7

Geller, Arpad, Dr.

-

Zeindlmeier, Thomas

½ - ½

8

Schwabeneder, Markus

-

Perinan Freire, Antonio Jesus

0 - 1

 

Es wurden Schachuhren des Modells DGT2010 der ersten Generation verwendet. Der Spielmodes 19 dieser Uhren wird auf den Uhren selbst als "90 min f.b. 30 min (all + 30 sec/move)" definiert, also der in der Regionalliga geltenden Bedenkzeit. In Wirklichkeit werden in diesem Modus aber nur 15 Minuten Zeitbonus gutgeschrieben.

Diese Diskrepanz war dem von der Heimmannschaft benannten Schiedsrichter des Wettkampfs, Schachfreund Zboril, bis dato nicht bekannt. Daher stellte er alle acht Uhren auf den Modus 19 ein.

Die Partien an den Brettern 1,2,4 und 8 wurden bereits vor dem 40. Zug beendet. Als die Partien an den Brettern 3,5,6 und 7 die zweite Zeitphase erreichten und statt der vorgeschriebenen 30 Minuten nur 15 Minuten gutgeschrieben wurden, wurde dieses von Spielern der Gastmannschaft reklamiert und die Uhren angehalten.

Der Schiedsrichter versuchte daraufhin einige Minuten lang, den Fehler zu korrigieren. An Brett 3 gelang dies dem Mannschaftsführer der Gastmannschaft selbst. Kurz nach Wiederbeginn endete die Partie an Brett 5 remis. An Brett 6 kam es abermals zu Problemen mit der Uhr. Der Mannschaftsführer der Gastmannschaft bat daraufhin seinen Gegner, die Partie zu unterbrechen, um bei der Korrektur der Uhr an Brett 6 zu helfen. Dieser gab seine Partie (Brett 3) mit der Bemerkung, er stehe ohnehin auf Verlust, kurzerhand auf.

Es stellte sich heraus, dass an den Brettern 6 und 7 beim Versuch, die Uhren zu korrigieren das Inkrement nicht eingestellt wurde. Die Partie an Brett 7 endete nach wiederholtem Eingreifen des Schiedsrichters remis, während der Spieler der Gastmannschaft an Brett 6 die Partie schließlich abbrach und sich trotz Ermahnung seitens des Schiedsrichters weigerte, die Partie fortzusetzen. Der Schiedsrichter erklärte die Partie an Brett 6 daraufhin für den Spieler der Gastmannschaft als verloren.

II. Verfahren

Am 02.12.2018 legte der Beschwerdeführer Einspruch gegen die Wertung des Wettkampfes ein und beantragte:

·         die Partien der Bretter 6 und 7 als für die Heimmannschaft verloren zu werten,

·         hilfsweise die Partie an Brett 6 als für die Heimmannschaft verloren zu werten,

·         höchst hilfsweise den Wettkampf mit 1-7 gegen die Heimmannschaft zu werten.

Am 02.04.2019 entschied der Bundesspielleiter wie folgt:

·         Das Ergebnis der Partie von Brett 6 zwischen den Spielern Franz Schmid (Heimmannschaft) gegen Dr. Andreas Goetz (Gastmannschaft) wird annulliert.

·         Die Partie wird neu angesetzt. Sie ist bis 21.04.2019 nachzuholen. Die beteiligten Vereine werden aufgefordert, Datum, Uhrzeit und Spielort dem 1. Bundesspielleiter mitzuteilen.

·         Können sich die Vereine nicht auf einen Nachholtermin und -ort einigen, gilt die Partie nach dem 21. April als nicht gespielt und endet „- / -“.

·         Die beiden Spielern, vom Sitz des Vereins zum Spielort, erwachsenden Fahrkosten sind von den Vereinen zu gleichen Teilen zu tragen.

·         Die Ergebnisse der verbleibenden Bretter bleiben bestehen.

Mit Schreiben vom 07.04.2019, eingegangen am 09.04.2019 legte der Beschwerdeführer Beschwerde ein und beantragt:

·         die Partien der Bretter 6 und 7 als für die Gastmannschaft gewonnen zu werten, oder

·         hilfsweise die Partie an Brett 6 als für die Gastmannschaft gewonnen zu werten,

·         oder alternativ den Wettkampf mit 1-7 gegen die Heimmannschaft zu werten.

Darüber hinaus rügt der Beschwerdeführer die für die Wiederholung der Partie an Brett 6 festgesetzte Frist. Der Spieler Dr. Andreas Goetz sei terminlich aufgrund beruflicher und privater Termine - u.a. ein bereits fest gebuchter Urlaub - nicht imstande, die Frist zu wahren.

Mit Stellungnahme vom 09.04.2019 beantragt der Bundesrechtsberater:

·         im Wege einer einstweiligen Anordnung durch das Verbandsgericht – hilfsweise den Vorsitzenden – die mit Ziff. 1.2 und 1.3 der angefochtenen Entscheidung des 1. Bundesspielleiters gesetzte Frist für die Wiederholung der streitigen Partie angemessen zu verlängern,

·         die Beschwerde des SK Ingolstadt vom 08.04.2019 zurückzuweisen mit der Maßgabe, dass die in Ziff. 1.2und 1.3 der angefochtenen Entscheidung gesetzte Frist entsprechend der beantragten Eilentscheidung verlängert wird.

Die Frist zur Wiederholung der Partie sei zu kurz bemessen. Im Falle eines zügigen Einspruchsverfahren hätte die Partie ohne Weiteres vor dem letzten Spieltag am 07.04.2019 wiederholt werden können. Zwischen der Entscheidung und dem Ende der Frist lägen nur drei Wochenenden. An einem dieser liege der letzte Spieltag, ein weiteres falle in die Osterferien.

III. Begründetheit der Eilantrages

Die vom 1. Bundesspielleiter bestimmte Frist für die Wiederholung der Partie an Brett 6 ist zu kurz bemessen:

Wie zutreffend vom Bundesrechtsberater ausgeführt, liegen zwischen der Verkündung der Entscheidung am 02.04.2019 und dem Ablauf der Frist am 21.04.2019 nur drei Wochenenden, von denen eines bereits mit der regulären 9. Runde der Regionalliga belegt war und ein weiteres in den Schulferien liegt. Insbesondere unter Berücksichtigung der harten Rechtsfolge bei Ablauf der Frist (Ergebnis " - / -") muss den Spielern deutlich mehr Zeit eingeräumt werden, die Partie nachzuholen.

Dem stehen auch keine terminliche Zwangspunkte entgegen: zum einen wird durch die monatelange Dauer des Einspruchsverfahrens die Partie ohnehin nach Beendigung der regulären Saison stattfinden. Diesen Verstoß gegen den Rechtsgedanken der Teilziffer 3.2.6.5 Satz 2 TO haben die Beteiligten weder zu vertreten, noch ist an dieser Situation durch eine kurze Frist noch etwas zu ändern. Zum anderen folgen unmittelbar auf den 21.04.2019 auch keine für den Ligabetrieb bedeutsamen Fristen:

·         Rückmeldefrist: 30.06.2019

·         Wechselfrist: 31.07.2019

·         Abgabe der Mannschaftsaufstellungen: 31.08.2019

Es liegt vielmehr im sportlichen Interesse der gesamten Regionalliga Süd-Ost, dass die Partie nachgeholt werden kann: zwar ist das Ergebnis der Partie für die Platzierung des SK Passau 2 nicht mehr relevant. Allerdings kann es - etwa bei Bestand der Entscheidung des 1. Bundesspielleiters - über den achten Platz und damit nach aktueller Lage über den Klassenerhalt zwischen dem SK Ingolstadt 1 und dem TV Tegernsee 1 entscheiden.

Wegen der vermutlichen Dauer des Beschwerdeverfahrens - Frist für Stellungnahmen bis zum 24.04.2019 - besteht Dringlichkeit. Eine einstweilige Anordnung nach § 6 Abs. 4 VerfO ist geboten.

 

 

Eichler

 

Trapp

 

Stöckl




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